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Stammbaum des Mars: Der Kriegsgott und seine Nachkommen

Stammbaum des MarsKaum ein anderer Gott des römischen Pantheons verbindet göttliche Abstammung so unmittelbar mit der eigenen Stadtgeschichte wie Mars. Während sein griechisches Pendant Ares in der Ilias als verachteter, wenig geachteter Kriegsgott erscheint, genoss Mars in Rom eine Verehrung, die weit über seine bloße Zuständigkeit für den Krieg hinausging – denn aus seiner Verbindung mit der Vestalin Rhea Silvia gingen Romulus und Remus hervor, die legendären Gründer der Stadt Rom selbst. Diese genealogische Verbindung macht Mars zum mythologischen Stammvater des gesamten römischen Volkes und verleiht seinem Stammbaum eine politische und religiöse Bedeutung, die kaum eine andere Gottheit des römischen Pantheons in vergleichbarer Weise besitzt.

Als Sohn des Jupiter und der Juno steht Mars zugleich im Zentrum der obersten römischen Götterfamilie, während seine Liebesbeziehung zu Venus eine der bekanntesten und literarisch am meisten verarbeiteten Verbindungen der gesamten antiken Mythologie darstellt. Ein Blick auf seinen vollständigen Stammbaum offenbart damit nicht nur seine göttliche Herkunft, sondern auch die beiden gegensätzlichen Rollen, die er innerhalb der römischen Mythologie einnahm: als Vater eines Königsgeschlechts und als Geliebter der Liebesgöttin selbst.

Herkunft: Sohn von Jupiter und Juno

Mars war nach der römischen Überlieferung der Sohn des Göttervaters Jupiter und seiner Gemahlin Juno, der Königin der Götter, und gehörte damit zur obersten Generation der römischen Hauptgötter. Diese Abstammung von den beiden mächtigsten Gottheiten des gesamten Pantheons verlieh Mars von Geburt an eine besonders hohe Stellung, die sich in seiner späteren Zugehörigkeit zur sogenannten Archaischen Trias aus Jupiter, Mars und Quirinus widerspiegelte – jener ältesten Göttergruppe des römischen Staatskults, die noch vor der später etablierten kapitolinischen Trias aus Jupiter, Juno und Minerva den religiösen Kern der frühen römischen Religion bildete.

In einigen Überlieferungen, die stärker der griechischen Tradition um Hera und Ares folgen, wird berichtet, dass Juno Mars ohne männliches Zutun allein empfangen habe, als Racheakt gegen Jupiters eigenmächtige Geburt der Minerva aus seinem Haupt. Diese Variante, die vor allem auf griechischen Vorbildern beruht, stand neben der geläufigeren römischen Auffassung, nach der Mars ein regulärer gemeinsamer Sohn von Jupiter und Juno war, und zeigt, wie flexibel die genaue Herkunftsgeschichte einzelner Götter in der antiken Überlieferung gehandhabt werden konnte.

Geschwister: Die Kinder von Jupiter und Juno

Als Sohn Jupiters und Junos zählte Mars mehrere bedeutende Geschwister zu seiner unmittelbaren Familie. Vulcanus, der Gott des Feuers und der Schmiedekunst, war ebenfalls ein Kind der Juno, dessen Geburt in manchen Überlieferungen ähnlich wie die eigenständige Erschaffung des Mars ohne Jupiters Zutun erfolgt sein soll. Minerva, die Göttin der Weisheit und der klugen Kriegsführung, war zwar ebenfalls Tochter Jupiters, ging jedoch aus dessen Verbindung mit der Titanin Metis hervor und wurde bekanntlich auf ungewöhnliche Weise aus seinem Haupt geboren, was sie genealogisch zur Halbschwester des Mars machte.

Diese Geschwisterkonstellation ist mythologisch von besonderem Interesse, da Mars und Minerva innerhalb der römischen Religion beide Zuständigkeiten für Krieg besaßen, jedoch mit deutlich unterschiedlicher Akzentuierung: Der römische Gott Mars verkörperte die unmittelbare, aggressive Kampfkraft und den offenen Angriffskrieg, während Minerva für die kluge, strategische und defensive Kriegsführung stand. Dieser Kontrast zwischen den beiden kriegerischen Geschwistern setzt sich in der römischen Religion in der unterschiedlichen kultischen Verehrung beider Gottheiten fort.

Venus: Die berühmteste Liebesbeziehung des Mars

Die bekannteste und literarisch am meisten ausgeschmückte Verbindung des römischen Gottes Mars betrifft seine leidenschaftliche, jedoch nicht in einer Ehe verankerte Beziehung zu Venus, der Göttin der Liebe und Schönheit, die zu dieser Zeit mit dem Schmiedegott Vulcanus verheiratet war. Diese Affäre gehört zu den bekanntesten Ehebruchsgeschichten der gesamten antiken Mythologie: Der Sonnengott Sol entdeckte die heimlichen Liebenden und verriet sie an Vulcanus, der daraufhin ein feines, unsichtbares Netz schmiedete, mit dem er das Liebespaar in flagranti über seinem eigenen Ehebett einfing und den übrigen Göttern zur allgemeinen Belustigung zur Schau stellte.

Trotz dieses öffentlichen Skandals blieb die Verbindung zwischen Mars und Venus in der römischen Mythologie von großer Bedeutung, da aus ihr mehrere Kinder hervorgingen, die eigene, eigenständige Zuständigkeiten innerhalb des römischen Pantheons erhielten. Diese Nachkommenschaft aus der Verbindung von Krieg und Liebe wurde in der antiken Kunst und Literatur wiederholt als Sinnbild dafür gedeutet, dass selbst aus Konflikt und Leidenschaft letztlich Harmonie und neues Leben entstehen können.

Kinder mit Venus: Amor, Timor, Metus und Concordia

Aus der Verbindung zwischen Kriegsgott Mars und Venus gingen der Überlieferung nach mehrere bedeutende Kinder hervor, die in ihrer jeweiligen Zuständigkeit die widersprüchliche Natur ihrer Elternschaft zwischen Krieg und Liebe widerspiegeln. Amor, in der griechischen Tradition Eros genannt, ist der bekannteste dieser Nachkommen und verkörpert als Gott der Liebe selbst gewissermaßen die Synthese seiner beiden Elternteile: die zärtliche Zuneigung der Venus, verbunden mit einer gewissen unwiderstehlichen, fast kämpferischen Macht, die von seinem Vater Mars herrührt.

Daneben werden in manchen Überlieferungen auch Timor und Metus, die Personifikationen von Furcht und Schrecken, als Söhne des Mars und der Venus genannt – Zuständigkeiten, die deutlich stärker die kriegerische Seite ihres Vaters betonen und in der Regel als Begleiter des Mars auf dem Schlachtfeld gedacht wurden. Zudem wird gelegentlich Concordia, die Personifikation der Eintracht, als Tochter dieser Verbindung genannt, was die symbolische Deutung der Liebe zwischen Mars und Venus als Versöhnung gegensätzlicher Kräfte zusätzlich unterstreicht.

Rhea Silvia: Die sterbliche Mutter Roms

Die für die römische Religion und Identität bedeutsamste Verbindung des Mars betrifft jedoch nicht eine Göttin, sondern eine sterbliche Frau: Rhea Silvia, eine Vestalin und Tochter des vertriebenen Königs Numitor von Alba Longa. Nachdem Numitors Bruder Amulius die Herrschaft an sich gerissen und Rhea Silvia zur Vestalin geweiht hatte, um eine mögliche Thronfolge durch ihre Nachkommen zu verhindern – da Vestalinnen zu lebenslanger Keuschheit verpflichtet waren –, wurde sie der Überlieferung nach von Mars selbst geschwängert, während sie schlief oder, nach anderen Versionen, in einem heiligen Hain.

Aus dieser Verbindung gingen die Zwillinge Romulus und Remus hervor, deren dramatische Geschichte – die Aussetzung am Tiber, die Aufzucht durch eine Wölfin, der spätere Bruderzwist und schließlich die Gründung Roms durch Romulus – zu den zentralen Gründungsmythen der gesamten römischen Kultur zählt. Durch diese Vaterschaft wird Mars zum unmittelbaren göttlichen Ahnherrn der Stadt Rom selbst, eine Funktion, die ihm eine politische und religiöse Bedeutung verleiht, die weit über seine reine Zuständigkeit als Kriegsgott hinausreicht und die enge Verknüpfung zwischen Mars-Kult und römischem Staatsverständnis erklärt.

Diese Kombination aus göttlicher Liebesbeziehung und folgenreicher sterblicher Vaterschaft macht den Stammbaum des Mars zu einem der politisch bedeutsamsten innerhalb der gesamten römischen Mythologie.

Nachkomme Mutter Bedeutung
Amor Venus Gott der Liebe
Timor und Metus Venus Personifikationen von Furcht und Schrecken
Concordia Venus (in manchen Überlieferungen) Personifikation der Eintracht
Romulus Rhea Silvia (sterblich) Gründer und erster König Roms
Remus Rhea Silvia (sterblich) Zwillingsbruder des Romulus

Familiäre Verbindungen des Gottes Mars in der Übersicht

Stammbaum des Mars

Eltern

Jupiter

Juno

Mars ★

Gott des Krieges, Mitglied der Archaischen Trias

Mit Venus

Amor
Gott der Liebe
sowie Timor, Metus, Concordia

Mit Rhea Silvia

Romulus & Remus
Gründer Roms

Die zentralen Verbindungen und Nachkommen des Mars lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Jupiter und Juno: Eltern des Mars, oberste Gottheiten des römischen Pantheons
  • Venus: Geliebte, Mutter mehrerer Kinder trotz ihrer Ehe mit Vulcanus
  • Amor: Sohn mit Venus, Gott der Liebe, Synthese aus Krieg und Zuneigung
  • Rhea Silvia: Sterbliche Vestalin, Mutter der Stadtgründer Roms
  • Romulus und Remus: Zwillingssöhne mit Rhea Silvia, Gründer und Ahnherren Roms

Mars innerhalb der Archaischen Trias

Über seine familiären Beziehungen hinaus nahm der Kriegsgott Mars innerhalb der ältesten Schicht der römischen Staatsreligion eine herausragende Stellung als Mitglied der sogenannten Archaischen Trias ein, gemeinsam mit Jupiter und Quirinus. Diese Göttergruppe, der jeweils ein eigener Flamen Maior als Priester zugeordnet war, gilt in der Forschung als älter als die später etablierte kapitolinische Trias aus Jupiter, Juno und Minerva und spiegelt eine ursprüngliche, dreigeteilte Ordnung wider, in der Mars die Funktion des Krieges und des Schutzes der jungen Stadt verkörperte.

Diese religionsgeschichtliche Verankerung des Mars in der ältesten Schicht der römischen Religion steht in engem Zusammenhang mit seiner Vaterschaft über Romulus: Als Beschützer der Stadt und zugleich als deren mythologischer Ahnherr verkörperte Mars eine doppelte Legitimation der römischen Staatsmacht, die sowohl auf göttlichem Schutz als auch auf unmittelbarer göttlicher Abstammung beruhte.

Quellen und weiterführende Literatur

Häufige Fragen zum Stammbaum des Mars

Wer waren die Eltern des Mars?

Mars war nach der römischen Überlieferung der Sohn von Jupiter, dem Göttervater, und Juno, der Königin der Götter. In manchen, stärker griechisch geprägten Varianten wird berichtet, dass Juno ihn ohne männliches Zutun allein empfangen habe, als Racheakt gegen Jupiters Geburt der Minerva.

Wer war Rhea Silvia und welche Rolle spielte sie für den Stammbaum des Mars?

Rhea Silvia war eine sterbliche Vestalin und Tochter des vertriebenen Königs Numitor von Alba Longa. Sie wurde von Mars geschwängert und gebar die Zwillinge Romulus und Remus, die späteren Gründer Roms, wodurch Mars zum mythologischen Ahnherrn der Stadt selbst wurde.

Welche Kinder hatte Mars mit Venus?

Aus der Verbindung mit Venus ging vor allem Amor hervor, der Gott der Liebe. In manchen Überlieferungen werden zudem Timor und Metus, die Personifikationen von Furcht und Schrecken, sowie Concordia, die Personifikation der Eintracht, als gemeinsame Kinder genannt.

Was war die Archaische Trias und welche Rolle spielte Mars darin?

Die Archaische Trias bestand aus Jupiter, Mars und Quirinus und gilt als die älteste Göttergruppe des römischen Staatskults, noch vor der späteren kapitolinischen Trias. Mars verkörperte darin die Funktion des Krieges und des Schutzes der jungen Stadt Rom, was eng mit seiner Vaterschaft über den Stadtgründer Romulus zusammenhängt.

Über diesen Artikel

Dieser Artikel basiert auf primären Quellen der römischen Literatur, insbesondere Ovids Fasti und Metamorphosen sowie Livius‘ Ab Urbe Condita, ergänzt durch anerkannte Standardwerke der Altertumswissenschaft und Religionsgeschichte. Die Angaben spiegeln den aktuellen Stand der althistorischen und religionswissenschaftlichen Forschung wider. Alle Angaben ohne Gewähr.

Stand der Informationen: Juni 2026