Göttin Bellona | Kriegsgöttin in der römischen Mythologie

Die Göttin Bellona war eine Kriegsgöttin in der römischen MythologieDie römische Göttin Bellona ist eine Kriegsgöttin, deren Name unmittelbar mit dem lateinischen Wort für Krieg verbunden ist. In der römischen Mythologie erscheint sie im Umfeld des Kriegsgottes Mars und verkörpert besonders die Gewalt, die Erregung und den kämpferischen Antrieb einer Schlacht. Dichter lassen sie mit Waffen, einer Fackel oder einer blutigen Peitsche auftreten. Ihre Bedeutung reicht jedoch über solche bedrohlichen Bilder hinaus. Bellona wurde auch um Unterstützung und Sieg angerufen, und ihr Tempel in Rom war mit wichtigen Aufgaben des Staates verbunden. Dort trafen religiöse Verehrung, militärischer Erfolg und politische Entscheidung aufeinander. Die Kriegsgöttin gehört deshalb sowohl zur Bildwelt der römischen Dichtung als auch zur Geschichte jener Rituale und Einrichtungen, mit denen Rom seine Kriege vorbereitete, erklärte und öffentlich bewertete.

Eine Darstellung Bellonas muss mehrere Überlieferungsbereiche zusammenbringen. Der ältere römische Kult ist durch historische Erzählungen, den Festkalender und das Heiligtum auf dem Marsfeld fassbar. Daneben stehen griechische Entsprechungen und spätere Gleichsetzungen mit der anatolischen Göttin Ma, deren Verehrung andere religiöse Ausdrucksformen besaß. Auch das Verhältnis zum Kriegsgott Mars wird unterschiedlich beschrieben: Bellona erscheint als Begleiterin oder Schwester, ohne dass daraus eine überall verbindliche Familiengeschichte entsteht. Besonders aufschlussreich sind deshalb konkrete Belege. Ein Gelöbnis während einer Schlacht, die Versammlung des Senats im Tempel, ein symbolischer Speerwurf und die Darstellung einer bewaffneten Göttin zeigen jeweils eine andere Seite ihrer Bedeutung. Zusammen erklären sie, weshalb Bellona als eigenständige römische Göttin wahrgenommen wurde und zugleich mit anderen Kriegsgottheiten in Beziehung treten konnte.

Wer war die römische Göttin Bellona?

Bellonas Name gehört zum Wortfeld von bellum, „Krieg“. Schon der römische Gelehrte Varro verbindet ihn mit diesem Begriff und nennt die ältere Namensform Duellona, die zum älteren Wort duellum gehört. Auch duellum bedeutet hier Krieg; die heutige Bedeutung eines Duells zwischen zwei Personen darf darauf nicht einfach übertragen werden. Der Name macht somit die kriegerische Aufgabe der Göttin unmittelbar verständlich. Ihre überlieferten Handlungen richten sich auf das Antreiben von Kämpfern, das Entfachen einer Schlacht und die Durchsetzung gegen einen Feind. Zugleich konnte die römische Göttin Bellona als hilfreiche Macht angerufen werden. Die bedrohliche Erscheinung in einem Gedicht und die Bitte um Beistand im Kult gehören zu unterschiedlichen Perspektiven auf dieselbe Gottheit: Was den Gegner erschrecken soll, kann für die eigene Gemeinschaft als göttliche Unterstützung erscheinen.

Ein früher Zusammenhang begegnet bei Livius in der Erzählung über den Konsul Publius Decius Mus und die Schlacht des Jahres 340 v. Chr. Der Feldherr vollzieht eine devotio, bei der er sich selbst und die feindlichen Truppen den göttlichen Mächten weiht. In der überlieferten Gebetsformel werden neben Janus, Jupiter, Mars und Quirinus auch Bellona und weitere Gottheiten angerufen. Die Kriegsgöttin erscheint damit innerhalb eines umfassenden religiösen Handelns, das den Sieg der römischen Gemeinschaft sichern soll. Livius ordnet diese Anrufung zeitlich vor dem späteren Tempelgelöbnis des Appius Claudius ein. Seine Erzählung zeigt, dass Bellona in der römischen Erinnerung nicht erst mit diesem Heiligtum beginnt. Sie steht bereits im Zusammenhang mit der Gefährdung eines Heeres und der außergewöhnlichen Hingabe eines Feldherrn, dessen persönliches Schicksal mit dem Ausgang der Schlacht verbunden wird.

Die Verbindung zum römischen Kriegsgott Mars

Die enge Beziehung zum Kriegsgott Mars gehört zu den wichtigsten Merkmalen Bellonas. Beide sind auf das Kriegsgeschehen bezogen, und in dichterischen Bildern können sie gemeinsam auftreten. Die Kriegsgöttin erscheint dabei als Begleiterin oder Wagenlenkerin des Gottes; andere Beschreibungen nennen sie seine Schwester. Solche Beziehungen bringen ihre Nähe in eine anschauliche Form, liefern aber keinen einheitlichen Stammbaum mit überall übereinstimmenden Eltern und Nachkommen. Besonders deutlich wird das gemeinsame Auftreten in Vergils Aeneis: Auf dem Schild des Aeneas ist Mars mitten im Kampf dargestellt, während die Göttin Bellona mit einer blutigen Peitsche erscheint. Die Szene verteilt verschiedene Kräfte des Krieges auf mehrere göttliche Gestalten. Mars und Bellona ergänzen einander innerhalb dieses Bildes, während Bellonas eigener Tempel und ihre Anrufung im Gebet zugleich eine selbstständige Verehrung bezeugen.

Die griechische Entsprechung Bellonas ist Enyo, eine Göttin des Krieges, die eng mit Ares verbunden ist. In der Ilias erscheint Enyo an seiner Seite und wird mit dem zerstörerischen Kampfgeschehen verknüpft. Die Ähnlichkeit dieser Stellung erleichterte die Gleichsetzung mit der römischen Kriegsgöttin. Lateinische Dichter konnten dadurch griechische Erzählstoffe mit Bellonas Namen gestalten. Das bedeutet jedoch nicht, dass ein griechisches Heiligtum der Enyo und Bellonas Tempel in Rom dieselbe Geschichte oder dieselben Aufgaben hatten. Die Entsprechung betrifft zunächst die göttlichen Gestalten und ihre kriegerische Wirkung. Eine weitere Verbindung entsteht mit Ma aus Anatolien, die ebenfalls mit Enyo und anschließend mit Bellona gleichgesetzt wurde. Die römische Göttin Bellona steht dadurch innerhalb eines Netzes religiöser Übersetzungen, in dem ähnliche Eigenschaften Verbindungen ermöglichen, während örtliche Kultformen ihre eigenen Zusammenhänge behalten.

Die Göttin Bellona und die mit ihr verbundenen Kriegsgottheiten

Gemeinsame Eigenschaften erklären die Beziehungen; die örtlichen Kultformen bleiben gesondert zu betrachten.
Gottheit Überlieferungsbereich Beziehung und Bedeutung
Bellona Römischer Kult Kriegsgöttin mit eigenem Heiligtum; in Dichtung und Kult mit dem Kampfgeschehen verbunden.
Mars Römischer Kult Kriegsgott; Bellona erscheint in seiner Nähe als Begleiterin, Wagenlenkerin oder Schwester.
Enyo Griechische Mythologie Mit Ares verbundene Kriegsgöttin; aufgrund ähnlicher Eigenschaften mit Bellona gleichgesetzt.
Ma Anatolischer Kult Göttin mit bedeutendem Heiligtum in Komana; später mit Enyo und Bellona verbunden.

Der Tempel der Kriegsgöttin Bellona in Rom

Im Jahr 296 v. Chr. gelobte Appius Claudius Caecus der Kriegsgöttin einen Tempel. Livius erzählt das Gelöbnis im Zusammenhang mit einer Schlacht gegen Samniten und Etrusker: Appius bittet um den Sieg und verspricht dafür ein Heiligtum. Nach dem Gebet treibt er seine Soldaten zum entschlossenen Vorgehen an. Das Gelöbnis verbindet göttlichen Beistand mit einer später einzulösenden Verpflichtung des Feldherrn. Ovid nennt in seinen Fasti den 3. Juni als Gedenktag der Tempelweihe. Das Jahr des Gelöbnisses und der jährlich wiederkehrende Weihetag sind dabei unterschiedliche Angaben. Der Tempel stand auf dem südlichen Marsfeld im Bereich des Circus Flaminius, außerhalb des Pomeriums, der sakralen Stadtgrenze. Seine Lage war für die spätere politische Nutzung bedeutsam, weil bestimmte militärische und auswärtige Angelegenheiten außerhalb dieser Grenze behandelt werden konnten.

Das Heiligtum lag unmittelbar neben dem Tempel des Apollo Medicus, der später Apollo Sosianus genannt wurde, und nahe dem heutigen Marcellus-Theater. Die zugeordneten Überreste wurden im 20. Jahrhundert freigelegt; der erhaltene Baubefund gehört wesentlich zu späteren Umbauten. Rekonstruktionen zeigen einen auf hohem Podium stehenden Tempel mit sechs Säulen an der Vorderseite. Hier konnte der Senat Feldherrn empfangen, die aus einem Krieg zurückkehrten und einen Triumph beanspruchten. Auch auswärtige Gesandtschaften wurden im Tempel angehört. Die römische Göttin Bellona war somit mit einem Ort verbunden, an dem militärischer Erfolg öffentlich geprüft und diplomatische Anliegen besprochen wurden. Ein Triumph war eine besondere staatliche Ehrung und musste bewilligt werden. Das Heiligtum bildete für solche Beratungen einen Rahmen, in dem das Verhältnis zwischen Heerführung, politischer Autorität und göttlicher Unterstützung sichtbar blieb.

Bellonas Tempel: Kultort, politische Beratung und Kriegsritual

Heiligtum der Kriegsgöttin auf dem Marsfeld

Die Lage außerhalb der sakralen Stadtgrenze verband den Tempel mit militärischen und auswärtigen Angelegenheiten.

Feldherrn und Triumph

Der Senat konnte zurückkehrende Feldherrn im Tempel empfangen. Dort wurde über die Gewährung eines Triumphes beraten.

Auswärtige Gesandtschaften

Das Heiligtum bot außerhalb des Pomeriums einen Versammlungsort für die Anhörung auswärtiger Gesandter.

Symbolische Kriegserklärung

Bei der columna bellica vor dem Tempel machte der Speerwurf den Übergang zum Krieg rituell sichtbar.

Columna bellica: das Ritual der Kriegserklärung

Vor Bellonas Tempel befand sich die columna bellica, eine kleine Säule mit großer zeremonieller Bedeutung. Ovid beschreibt, dass von dort ein Speer geschleudert wurde, wenn der Krieg gegen einen Herrscher oder ein Volk beschlossen war. Der Vorgang knüpfte an die Aufgaben der Fetialen an, einer Priesterschaft, die mit religiös geregelten Beziehungen zwischen Gemeinwesen verbunden war. Livius schildert in Buch 1 seiner römischen Geschichte eine ältere Form der Kriegserklärung an der Grenze zum feindlichen Gebiet. Nach vorausgehenden Forderungen und Entscheidungen wurde der Speer über die Grenze geworfen. Der Wurf machte den Übergang zum Krieg sichtbar und gab ihm eine förmliche Gestalt. Bellonas Heiligtum verband sich später mit der Möglichkeit, einen solchen Grenzakt in Rom selbst darzustellen, auch wenn das tatsächliche Gebiet des Gegners weit entfernt lag.

Eine antike Erklärungsüberlieferung führt die Einrichtung dieses symbolischen Feindeslands auf den Krieg gegen Pyrrhus zurück. Ein gefangener Soldat des Gegners habe in Rom ein Grundstück erwerben müssen, das anschließend die Funktion fremden Territoriums übernahm. Der Speerwurf konnte sich damit auf einen örtlich erreichbaren Bereich richten, der den Gegner im Ritual vertrat. Diese Erzählung erklärt den Brauch, ohne dass jedes Detail seiner Entstehung unabhängig nachgewiesen wäre. Entscheidend ist die Verbindung von Säule, Grenzvorstellung und Kriegserklärung. Der Tempel war dadurch mehr als ein Aufbewahrungsort für ein Götterbild: Sein Umfeld wurde Teil staatlichen Handelns. Die römische Göttin Bellona stand an jener symbolischen Schwelle, an der eine politische Entscheidung in einen religiös bekräftigten Kriegszustand überging. Das Ritual führte den Anspruch vor Augen, einen Krieg nach anerkannten Regeln zu beginnen.

Symbole und Darstellungen der römischen Göttin Bellona

Zu Bellonas Bildsprache gehören Speer, Schwert, Fackel und Peitsche. Die Waffen verweisen unmittelbar auf den Kampf, während Fackel und Peitsche das Entfachen und Antreiben der Gewalt anschaulich machen. Besonders eindringlich ist Vergils Darstellung in Buch 8 der Aeneis. Vulcanus fertigt für Aeneas einen Schild, auf dem zukünftige Ereignisse der römischen Geschichte erscheinen. Zur Darstellung der Seeschlacht von Actium gehören kämpfende Gottheiten und personifizierte Mächte; die Göttin Bellona folgt mit ihrer blutigen Peitsche. Die Kriegsgöttin ist hier Teil eines dichterisch beschriebenen Bildwerks innerhalb einer Erzählung. Es handelt sich nicht um die Beschreibung eines erhaltenen Kultbilds aus ihrem Tempel. Die Szene erklärt vielmehr, wie römische Dichtung Kriegserfahrung in göttliche Gestalten übersetzt: Der gewaltsame Kampf erhält eine sichtbare, handelnde Verkörperung, die seine bedrängende Energie und seine zerstörerischen Folgen zusammenführt.

Die bewaffnete Göttin blieb auch in späteren Jahrhunderten ein wirksames Motiv. Rembrandt malte 1633 eine Bellona, die heute zum Bestand des Metropolitan Museum of Art gehört. Ihre Rüstung und der auffällige Schild machen die kriegerische Bedeutung unmittelbar erkennbar. Der Maler gab der Gottheit die Erscheinung einer zeitgenössischen Frau und übertrug den antiken Namen damit in seine eigene Bildwelt. Das Museum sieht darin auch einen möglichen Bezug zur niederländischen Bereitschaft zum Kampf während des Achtzigjährigen Krieges gegen Spanien. Diese Deutung betrifft die Entstehungszeit des Gemäldes, während der Name auf die römische Kriegsgöttin verweist. Das Beispiel zeigt, wie Bellona zur bildlichen Verkörperung militärischer Entschlossenheit werden konnte. Ihre Darstellung hängt jeweils vom Zusammenhang ab: Antike Dichtung betont die Bewegung der Schlacht, neuzeitliche Malerei kann die bewaffnete Gestalt als eindrucksvolle Verkörperung des Krieges vor Augen stellen.

Ma-Bellona und die ekstatischen Formen der Verehrung

In der späteren Republik wurde Bellona mit Ma verbunden, einer Göttin aus Anatolien. Ein bedeutendes Zentrum ihres Kults lag in Komana in Kappadokien. Strabon beschreibt dort das Heiligtum einer Göttin, die von den Einheimischen Ma genannt und von ihm als Enyo bezeichnet wird. Zum Tempel gehörten umfangreicher Besitz und eine große Zahl von Dienern; der Priester besaß eine herausgehobene Stellung innerhalb des Landes. Die Gleichsetzung mit Bellona brachte diesen religiösen Zusammenhang in Verbindung mit einem vertrauten römischen Namen. Die ältere Kriegsgöttin und Ma gingen dadurch in einzelnen Darstellungen ineinander über, obwohl ihre Kultgeschichten verschieden waren. Auch Plutarchs Erzählung von Sullas Traum zeigt mehrere mögliche Benennungen einer aus Kappadokien übernommenen Göttin: Er nennt Luna, Minerva oder Bellona. Die Nachricht bewahrt die Verbindung zu einem göttlichen Kriegsantrieb, ohne eine einzige Identifizierung verbindlich festzulegen.

Im Kultzusammenhang der Ma-Bellona werden Priester als Bellonarii bezeichnet. Antike Autoren berichten von ekstatischem Auftreten, Selbstverletzungen und prophetischen Äußerungen. Tibullus beschreibt in seiner Elegie 1,6 eine von Bellona ergriffene Priesterin, die ihre Verwundungen mit einer Weissagung verbindet. Die Schilderung gehört zu einem Gedicht über Liebe und Treue und ist entsprechend literarisch gestaltet. Sie belegt das Bild einer körperlich erschütternden göttlichen Inspiration, beschreibt aber keine allgemeine Vorschrift für sämtliche Verehrer Bellonas. Gerade hier ist die Unterscheidung der Kultzusammenhänge wesentlich. Die Beratungen des Senats und die symbolische Kriegserklärung beim alten Tempel sind andere Formen religiösen Handelns als die ekstatischen Riten der Ma-Bellona. Unter demselben Göttinnennamen konnten damit eine staatlich eingebundene Kriegsgöttin und eine aus Anatolien übernommene Form göttlicher Ergriffenheit verehrt und beschrieben werden.

Quellen und weiterführende Literatur

Häufige Fragen zur römischen Kriegsgöttin Bellona

Wofür steht die römische Göttin Bellona?

Bellona ist eine römische Kriegsgöttin. Sie ist mit dem Kampfgeschehen und dem kriegerischen Antrieb verbunden, wurde aber auch um Unterstützung und Sieg angerufen.

Welche Beziehung hat Bellona zum Kriegsgott Mars?

Bellona erscheint im Umfeld des Mars als Begleiterin, Wagenlenkerin oder Schwester. Die Überlieferung bietet keine überall einheitliche Familiengeschichte.

Wann wurde Bellonas Tempel in Rom gegründet?

Appius Claudius Caecus gelobte den Tempel 296 v. Chr. Ovid nennt den 3. Juni als Gedenktag der Tempelweihe. Gelöbnis und spätere Weihung sind voneinander zu unterscheiden.

Was ist der Unterschied zwischen Bellona und Ma-Bellona?

Bellona besaß einen älteren römischen Kult mit einem staatlich genutzten Heiligtum. Ma-Bellona bezeichnet die Verbindung mit der anatolischen Göttin Ma, in deren Kultzusammenhang ekstatische Riten und prophetische Äußerungen beschrieben werden.

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